Was passiert, wenn eine Region gleichzeitig mit Sabotage, Anschlägen, Ausfällen kritischer Infrastruktur und gesellschaftlichen Unruhen konfrontiert wird?
Mit der Regionalbereichsübung REX26 hat der Regionalbereich Münster des Technischen Hilfswerks Anfang September ein umfangreiches Szenario des Bevölkerungsschutzes beübt. Rund 130 Einsatzkräfte und Unterstützende aus verschiedenen Organisationen waren beteiligt.
Die Übung fand am 5. und 6. September auf dem THW-Übungsgelände in Münster-Handorf sowie auf dem Übungsgelände des Instituts der Feuerwehr NRW statt. Beteiligt waren neun THW-Ortsverbände, das Kreisverbindungskommando (KVK) der Bundeswehr aus Borken und Coesfeld, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Soest und Verl und der Malteser Hilfsdienst (MHD) aus Havixbeck.
Die Vorbereitung auf die REX26 hatte bereits Anfang des Jahres begonnen. Reale Ereignisse näherten sich im Verlauf der Vorbereitungsphase immer stärker dem ursprünglich erdachten Szenario an. Dadurch konnte kurz vor der Übung fast kaum noch zwischen angenommener und tatsächlicher Lage unterschieden werden. Verstärkt wurde der Eindruck durch einen extra eingerichteten News-Channel, über den alle beteiligten Einsatzkräfte bereits eine Woche vor der eigentlichen Übung mit fiktiven Nachrichten in die Lage eingeführt wurden.
Gerade diese Entwicklung unterstrich für die Verantwortlichen die Bedeutung, den Zivilschutz als zweite Säule neben dem Katastrophenschutz, als Schwerpunkt in die Übung einzubeziehen.
Das Übungsszenario ging von einer schweren sicherheitspolitischen Krise zwischen einem fiktiven Staat und der NATO aus. Hybride Angriffe, Sabotage und politische Einflussnahme verschärften die Lage auch in Deutschland. Besonders betroffen waren kritische Infrastrukturen und staatliche Einrichtungen.
Die DLRG stellte mit Darstellenden beeindruckend und realistisch die Verletzten und Betroffenen Personen dar. Des Weiteren konfrontierte ein Statistenteam die Übenden unter anderem mit einer Antikriegsdemonstration oder trat den Einsatzkräften konfrontativ gegenüber auf. Hier galt es für die Einsatzkräfte ruhig und besonnen, aber bestimmt aufzutreten.
Parallel übte die Bundeswehr mit dem Kreisverbindungskommandos (KVK) Coesfeld und Borken die zivil-militärische Zusammenarbeit. Dabei wurde unter anderem das territoriale Lagebild für das Landeskommando und das Operative Führungskommando in Berlin erstellt und die Bearbeitung von Hilfeleistungsanträgen zu konkreten Fähigkeiten der Bundeswehr geübt. Ein Schwerpunkt der Übung lag im sogenannten Avatar-Prinzip. Hierbei wurde das KVK Coesfeld durch Teile des KVK Borken unterstützt um die Schichtfähigkeit über mehrere Stunden und Tage zu gewährleisten und die Arbeit in den Kreisverbindungskommandos weiter zu harmonisieren.
Die Einsatzschwerpunkte der Übung fokussierten sich auf die Menschenrettung, Sicherstellung und Bergung von Sachgütern, sowie technische Hilfe nach Explosionen auf Geländen eines fiktiven Rüstungsunternehmens sowie der Bahninfrastruktur.
Auf dem Gelände des fiktiven Rüstungsunternehmens waren die Einsatzkräfte mit eingestürzten Gebäudeteilen, verschütteten Personen sowie zahlreichen Gefahren in den Trümmern an der Einsatzstelle konfrontiert. Die komplexen und vielseitigen Trümmerstrukturen stellten die Einsatzkräfte im Laufe der Übung immer wieder vor neue Herausforderungen.
Das Gebäude der Bahninfrastruktur wurde fiktiv durch eine Explosion im Dachgeschoss teilweise zerstört, wodurch es im und um das Gebäude zu Verletzten und Toten kam. Die Existenz von Kampfmitteln erschwerte den Einsatz hierbei enorm. Die Einsatzkräfte verschafften sich über Leitern sowie über ein Einsatzgerüstsystem Zugang zum Dachgeschoss, bargen und retteten die betroffenen Personen und wurden dabei von Kräften der Bundeswehr unterstützt. Darüber hinaus musste ein entgleister Güterwagon aufgegleist werden.
Zentrales Ziel der REX26 war es, komplexe Einsatzlagen bei gleichzeitig eingeschränkter Ressourcenverfügbarkeit zu bewältigen und die taktischen Leitlinien des Zivilschutzes anzuwenden. Beobachter begleiteten die Einheiten und werteten deren Vorgehen anschließend mit diesen zusammen aus.
Die Übung verdeutlichte damit die Herausforderungen komplexer und großflächiger Schadenslagen. Zerstörte Infrastruktur, verletzte und verstorbene Personen, komplexe Gefahren und mögliche Sabotageakte erfordern eine enge Koordination der beteiligten Organisationen bei gleichzeitigem Schutz der eigenen Einsatzkräfte. „Diesen Herausforderungen begegneten die Einsatzkräfte und Einheiten mit Professionalität, Einfallsreichtum und technischem Know-how und meisterten damit die ihnen gestellten Aufgaben“, so Alexander Wessels von der Übungsleitung.



